Oh, was ist denn das?

Grübeleien, bunte Bilder, Musik, Meinungsmache und, achja, Grübeleien.

Samstag, 23. Juli 2011

Reise Reise Waldameise

Montag werde ich verreisen. Nach Schweden. Drei Wochen. Drei Wochen! So lange war ich noch nie irgendwo anders, wenn man von durchschnittlichen Umzügen absieht. Richtigen Urlaub mache ich eigentlich auch nicht, sondern besuche einen Sommerkurs vom Svenska Institutet, für das ich ein Stipendium bekommen habe. Wow, kann man da jetzt denken, aber Stipendien bekommt man ja heutzutage hinterhergeworfen, weil keiner die Eier hat, sich auf sowas zu bewerben. 
Ich hab damals, als ich davon erfahren habe - das war noch im Januar, ganz lang her also -, gedacht, ich hab auf jeden Fall die Eier für sowas, und drei Wochen Schweden für lau, voll geil, nehm ich. Pünktlich zu meinem 22. Geburtstag im April habe ich dann auch die Zusage bekommen und dachte nur, hurrah, der Sommer ist gerettet, 3 Wochen Schweden für lau, bis auf den Flug, naja, das geht doch voll klar. 
Einige Wochen später hab ich dann den Flug gebucht, Ryanair, von Hamburg nach Stockholm, voll günstig, eine Nacht dort cool abhängen und dann weiter mit dem Zug nach Axvall in Västra Götaland. Megafreu und so.

Heute stelle ich fest, dass ich erstmal in 48 Stunden schon in Schweden sein werde, aber so aufgeregt bin, dass ich gar nicht losfahren will. Weil die Umstände mir plötzlich doch nicht mehr so geil erscheinen, wie ich das am Anfang empfunden habe.

Das wird furchtbar!

Montag werde ich erstmal mit dem Zug von Kiel nach Lübeck fahren müssen, weil "Hamburg" in der Sprache vom Planeten Ryanair "Lübeck" heißt. Da muss ich bestimmt Strafe zahlen, weil mein Koffer zu schwer sein wird. Aber das sind ja auch 3 Wochen! Dann der Flug, vor dem ich aus Prinzip schon Angst habe. Zum Glück ist der nach 75 Minuten auch schon vorbei, aber dann lande ich nicht in Stockholm, sondern ca 106 Kilometer von Schwedens Hauptstadt entfernt, und muss von da erstmal mit einem sauteuren Bus von dort nach Stockholm fahren. Da muss ich dann mit der wildfremden Schwedin telefonieren, die mich dank Couchsurfing netterweise eine Nacht bei sich aufnimmt. Übrigens bin ich zuvor weder gecouchsurft noch alleine in ein fremdes Land gereist. Erwähnte ich, dass ich zwar seit 4 Semestern Schwedisch lerne, aber nach wie vor kein Wörterbuch besitze und die aus der UB alle ausgeliehen sind? Wie soll ich, wenn ich nach einer weiteren teuren Zugfahrt in Axvall angekommen bin, den Leuten dort erklären, dass sie mir gar nicht erst mit ihren blöden Tierleichenköttbullar kommen müssen, weil ich nämlich Vegetarierin bin, wenn ich kein Wörterbuch habe? Übrigens hab ich auch noch kein Geld getausch. Geht das auch in Schweden? Oh, und ich hab auf dem Rückweg auch eine Nacht Aufenthalt in Stockholm, aber noch keine Schlafgelegenheit. 

Das wird ein Abenteuer, für das ich nicht gemacht bin. Ich würde mich lieber drei Wochen zuhause langweilen, da ist man wenigstens nicht solchen Widrigkeiten ausgesetzt. Vielleicht habe ich grade aber auch nur die kältesten Füße meines Lebens bekommen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Ich möchte nur einmal dezent darauf hinweisen...

... dass die Vorurteile, die ich gegenüber Burschenschaften hege - und mit denen ich bestimmt nicht allein dastehe - , nicht gänzlich unbegründet sind. Gefunden habe ich das bei Fefe und ehrlichgesagt fällt mir dazu auch nicht viel mehr ein als

HATE BURSCHENSCHAFTEN
LOVE MENSCHEN, die keiner obskuren, rassistischen Studentenverbindung angehören und ihren Alltag auch ohne so eine seltsame Gruppierung organisieren können.

Montag, 13. Juni 2011

Mal ein bisschen Kultur und Bildung und Museum und so

Hallo verehrteste LeserInnen,
Ich bin wieder da und bitte all diese nicht vorhandenen Posts der letzten zwei Monate zu entschuldigen, aber naja... damals habe ich auch erst Hausarbeiten geschrieben, bin dann umgezogen und habe auch noch was für die Uni getan. Was soll man machen? Aber jetzt bin ich wieder da und habe große blogmäßige Pläne. Schließlich gibt es einiges zu verwursten, sowas wie meinen neuen Job als Erdbeerverkäuferin, EHEC-Wahnsinn, bald auch noch die Kieler Woche... to be continued!

Heute hab ich, weil ja Pfingsten ist und so, Mamabesuch bekommen. Familienbesuche finde ich wirklich immer prima, weil man sich ja erstens nicht so oft sieht und das ja immer toll ist, wenn doch, und zweitens fühlt man sich immer so ultraerwachsen, wenn man von seinen Eltern/Geschwistern/Großeltern in seiner eigenen, ausnahmsweise mal tiptop aufgeräumten Wohnung besucht wird. Außerdem ist es einfach schön, so aufgeräumt! Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das in ein paar Tagen wieder aussieht, aber ich genieße einfach mal den Augenblick. 

Das Wetter war ausnahmsweise mal wirklich schön und es war sogar so kurzehosenwarm, also haben wir mal ganz kulturgeschichtlich interessiert dem Freilichtmuseum Molfsee einen Besuch abgestattet. Leider habe ich nicht gelernt, wo der Name "Molfsee" herkommt - mein schon des öfteren erwähnter zoologisch interessierter Liebster und ich haben mal überlegt, dass der Name von den in Molfsee lebenden Mölfen kommt, welche eine Kreuzung aus Wölfen und Molchen sind. Ganz scheue und vor allem schleimige, aber sehr possierliche Geschöpfe. 
Im Freilichtmuseum Molfsee kann man sich vor allem alte schleswig-holsteinische Gebäude angucken, die woanders ab- und dort wieder aufgebaut wurden. Ich finde die Vorstellung wirklich genial, weshalb ich solche Freilichtmuseen auch sehr gerne besuche. Außerdem kann man dort immer sein Sachkundewissen aus der Grundschule oder Kenntnisse aus anderen Museen oder sonstigen kulturellen Bildungseinrichtungen anwenden. Zum Beispiel konnte ich, weil ich mal ein FÖJ gemacht und dabei ein Honigprojekt für Grundschüler betreut habe, ein Gerät, dass beinahe als Butterfass durchgegangen wäre, eindeutig als Honigschleuder identifizieren. Dann war das FÖJ also doch kein verschenktes Jahr - was für ein schönes Gefühl!
Was mich allerdings wirklich beeindruckt hat, war die unendliche Größe des Museumsgeländes. Wir waren dort über vier Stunden unterwegs und haben trotzdem längst nicht alle Häuser gesehen. Ob das wirklich so tragisch ist, wage ich allerdings zu bezweifeln, denn obwohl die Gebäude aus den unterschiedlichsten Ecken Schleswig-Holsteins kamen, haben sich die Inneneinrichtungen wirklich nicht großartig unterschieden. Es gab immer eine mysteriöse Truhe im Eingangsbereich, einen protzigen Riesenschrank mit aufwändigen Verzierungen und/oder Malereien und eine Menge Schrankbetten, die man ja eigentlich Alkoven nennt. Es war ein bisschen, als hätten die ehemaligen Bewohner dieser Häuser bei der selben Möbelhauskette eingekauft und auch deren Einrichtungsmuster größtenteils übernommen.

Weil ich in den letzten zwei Monaten zum photographieren beinahe genauso selten gekommen bin wie zum bloggen (und das bei mir ja gelegentlich auch Hand in Hand geht) hatte ich auch meine geliebte Kamera dabei und habe sie auch benutzt. Zum Glück, es gab dort nämlich kleine Ferkel und kleine Ziegen UND Lämmer. Ich bin aus dem "oh wie süüüüüüüüß"-quietschen gar nicht mehr rausgekommen und hätte jetzt gerne ein kleines Ferkel auf dem Balkon. Oder doch lieber ein Lamm?

SÜSS!

SÜSS!! II

Segelohren

eine Gans vor einem Bauernhaus

Das ich mich überhaupt so nah an den Vogel raugetraut habe...

schafig...

ein bisschen Steampunk

die dahinschwindende Blüte einer Mispel

Statussymbol Selbstportrait - jetzt auch für Psychopathen

Don Quichotes Endgegner







Dienstag, 5. April 2011

Die Schatzkiste aus Papier und Druckerschwärze

Ich gebe zu, dass ich zu den Leuten gehöre, die mit der Aussicht auf einen guten Flohmarkt Samstag nachts ein bisschen kürzer treten, um Sonntag morgens fit für die Schlacht um gebrauchte Kerzenständer, Goldrandgeschirr und Kinderspielzeug zu sein. Naja, letzteres stimmt nicht so ganz, ich kaufe nämlich eigentlich immer nur Bücher. Und zwar nicht diese schrecklichen Frauenromane und oder diese von einem Ghostwriter verfassten Schinken, auf denen "Konsalik" steht, und auch keine Kochbücher und auch nichts von Wallraff, sondern gute Bücher. Solche, über die man in der Uni vielleicht auch mal spricht, wenn man etwas mit Literatur studiert, oder etwas aus der Philosophie - selbst, wenn ich das nicht lese, macht es sich ganz gut im Bücherregal. Manche Leute kaufen nicht so gerne abgeranzte Bücher. Ich schon. Ich finde das gut, und noch besser finde ich es, wenn ich in den Büchern Anmerkungen und Kritzeleien finde. Wenn in den Büchern dann auch noch vergessene Zettel liegen, ist das für mich fast wie ein Lottogewinn. Je mehr Gebrauchserscheinungen so ein Buch hat, desto mehr hat es doch vielleicht einmal jemandem etwas bedeutet - oder sie/ihn in der Schule ganz schrecklich genervt. Wer weiß das schon. 

Neulich habe ich mal wieder einen super Fang gemacht - "Die Kunst des Liebens" (für die nicht ganz so Informierten, das ist kein Sexratgeber) von Erich Fromm mit einem Thesenpapier von Wolfgang Deppert von 1956. Deppert ist übrigens u.a. Professor für Philosophie und hat auch mal an der Uni Kiel gelehrt. Wenn ich mir das recht überlege, ist das eigentlich sogar mein bester Flohmarktfang bisher... Aber ich habe auch noch ein paar andere Schätze, die ihr euch hier angucken könnt.



Samstag, 2. April 2011

Beruf: Hundesitterin


Von gestern Abend bis heute morgen hatte ich die Ehre, diesen charmanten Beaglemischling in meinen vier Wänden zu Gast zu haben. Hurrah, dachte ich, jetzt kann ich auch mal so sein wie die coolen Leute, die immer ihren Hund dabei haben, und so packte ich den Hund und eine reizende männliche Begleitung ein und zog mit beiden los in die milde Kieler Frühlingsnacht. 

Mit Hund Busfahren: gar kein Problem, der Hund, ähm, ich muss nur eine Kinderkarte kaufen und wir sind dabei. Yeah! Der Hund eiert ein wenig auf der Drehfläche des Ziehharmonikabusses herum und guckt fremden Frauen und Männern (neue potentielle Hundesitter? Ich bin eifersüchtig!) hinterher. 
Wir steigen am Schlossgarten aus und laufen erstmal ein paar Meter an der Förde entlang. Der Hund guckt permanent auf den Boden und kann trotzdem jedem Hindernis ausweichen. Wir treffen zwei flauschige Artgenossen meines vierbeinigen Begleiters - es stimmt übrigens, wenn man mit einem Hund unterwegs ist, kommt man bei jeder Gelegenheit mit wildfremden Menschen ins Gespräch. Sollte ich mir nicht vielleicht auch einen Hund zulegen?
Weil wir doch nicht bis ganz zum Marinehafen laufen wollen, drehen wir um und beschließen, im wirklich gemütlichen und extrem hundefreundlichen Café Phollkomplex noch ein oder zwei Bier zu trinken. Dort fürchtet sich unser Pflegehund vor einer mannshohen Dogge, die ihn beschnuppert, bellt aber einen fast genauso großen zotteligen Hund ganz furchtbar an, weil dieser sich überhaupt nicht für ihn interessiert. Komische Hundelogik! Das ist ein bisschen so, als würde ich wildfremde Menschen, die mich gar nicht wahrnehmen, einfach anschreien. Das würde ich mich allerdings wirklich nicht trauen.
Den zotteligen Hund interessiert das Gebelle unseres schlappohrigen Freundes nach wie vor nicht, mir ist es aber so peinlich, dass wir ganz schnell wieder nach Hause gehen müssen. Im Bus ist der Hund natürlich wieder ganz brav. Vielleicht hätte er sich ja auch im Phollkomplex wieder eingekriegt, eigentlich ist er ja so ein lieber Hund, denke ich ein bisschen hysterisch. Und ich habe nicht mal Leckerlies für ihn! Ich bin eine schlechte Hundebesitzerin. Oder besser gesagt: gar keine. 

Dieser Hund kann übrigens echt hoch springen.
Zuhause müssen wir unseren geschundenen Körpern noch das Bier und die Zigaretten antun, die ihm unser etwa zehnminütiger Kneipenbesuch vorenthalten hat. Der Hund wuselt derweil zwischen unseren Beinen hin und her, wedelt mit dem Schwanz und ist natürlich der Moving Point of Attraction and Cuteness. Später darf er, wie für meine Schlafgäste üblich, neben meinem Bett mit meiner Herzchenwolldecke kuscheln. Ein paar mal noch ein bisschen gebellt, als es im Haus komisch gerumpelt hat, dann pupst unser neuer bester Freund uns sanft in den Schlaf.
Am nächsten Morgen dürfen wir noch zusammen Brötchen und Hundeleckerlies kaufen, dann wird mein kleiner Gast auch schon wieder abgeholt. Schade! Jetzt vermisse ich den Kleinen. Bestimmt kann ich nie wieder glücklich werden, wenn ich keinen Hund habe! Kann mir bitte schnell jemand seinen Hund ausleihen?


Donnerstag, 31. März 2011

Ostfrau vs. Biofleisch

Ein wenig angewidert war ich mal wieder, als ich bei Fefe und bei der Mädchenmannschaft auf dieses Interview mit Reiner Haseloff, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU Sachsen-Anhalt hingewiesen wurde. Ich zitiere mal, was er auf die Frage "Was ist gut im Osten?" geantwortet hat:
Die ostdeutsche Frau. Sie ist unkompliziert. Durch die Diktaturerfahrung setzt sie andere Prioriäten. Zum Beispiel diskutiert sie nicht stundenlang über Biofleischsorten, sondern es geht um Fleisch oder Nichtfleisch. Sie ist nüchterner.
Puh...! Ja, er hat wirklich recht, hier im Westen leben wirklich nur hysterische  Latte Macchiato-süchtige Ökohipsteremanzen. Und überhaupt sind alle Frauen gleich und es wäre besser, wenn sie vielleicht einfach nur die Klappe halten und Kinder kriegen würden. Aber dafür hat hier ja keiner Zeit, wenn sich alle nur für die Nachhaltigkeit ihres Fleischkonsums Gedanken machen! Überhaupt, Frauen sollten doch zurück an den Herd!


Dass jemand noch so einen Moppelkotz von sich geben kann, ohne dass im Interview direkt darauf eingegangen wird, wundert mich doch sehr. Und ob er nun Recht hat oder nicht, woher nimmt Haseloff sich eigentlich das Recht, Ost- und Westfrauen so rigoros zu Schubladisieren? Naja... wieder ein Grund, diesem konservativen Kasperverein niemals irgendeine Stimme zu geben.