Oh, was ist denn das?

Grübeleien, bunte Bilder, Musik, Meinungsmache und, achja, Grübeleien.

Dienstag, 3. Januar 2012

Weihnachten und andere Unheilsverbündete

Mein Vorsatz für das neue Jahr: Endlich mal wieder bloggen! Dazu bin ich in den letzten (oh schreck) 2 Monaten überhaupt nicht mal ansatzweise (Playlists... ;)) gekommen, was daran lag, dass ich in einem graugrünen Sumpf aus Unistress, Freizeitstress und Ideenlosigkeitsstress tauchen gehen musste. Ein Glück ist das jetzt vorbei. (und tauchen ist auch nicht so mein Ding, so als Mittelohrentzündungspatientin und Kontaktlinsenträgerin). Dann wollte ich ja eigentlich wenigstens mal ein paar Worte zu Weihnachten verlieren, so am ersten oder zweiten Weihnachtstag... ja, und dann saß ich da, in meinem trauten Elternhaus, in dem das Internet nicht funktionierte und dachte nur: Scheiße. 
Dann kam Sylvester und die Erfindung des Dorfopolitan, naja, und jetzt habe ich endlich mal ein bisschen Zeit für meine Lieblingsbeschäftigung. Hurrah! Zeit, mal ein paar Einblicke in meinen Kopf zu gewähren.

Es gibt ja dieses Klischee, dass sich Weihnachten immer alle Familien ganz schlimm streiten, weil sie sich über die Feiertage nicht so gut aus dem Weg gehen können, oder weil sie von dem ganzen Glitzer überall so aggressiv werden oder ihnen einfach das Überangebot an Lebensmitteln nicht so gut bekommt und sie deswegen die kleinen, unterschwelligen Konflikte nicht mehr unterschwellig sein lassen können. Man trifft ja auch immer so viele Leute, die sich auf Weihnachten freuen wie auf eine Wurzelbehandlung und sich nichtmal mit der Aussicht auf ein paar freie Tage fröhlich stimmen können. Ich persönlich gehöre nicht zu diesen Leuten. Weihnachten finde ich trotz der komischen Kombination aus religiösem Background und scheinbarem Konsumzwang ganz toll - schließlich gibt es Glitzer, viel Essen, Ferien und Zeit mit meiner Familie verbringen mag ich auch gerne. 
Trotzdem habe ich jedes Jahr auch ein bisschen Angst vor Weihnachten.
Warum? Auf meiner Familie lastet nämlich ein Fluch, und zwar der "Irgendwas ist immer"-Fluch, der sich IMMER an Weihnachten daran erinnert, dass er mal wieder ein Lebenszeichen von sich geben sollte.
Irgendwas ist immer.

Vor ein paar Jahren ist meine Oma an einem sehr kalten und daher bodenfrostigen Heiligabendmorgen (sagt man das so? Der Morgen von Heiligabend) vor ihrer Tür ausgerutscht und hat sich dabei ein Bein gebrochen. Und zwar sowasvon, meine Mutter sagte etwas von einem komischen Extragelenk, als sie ohne meine Oma, die sie gleich dabehalten haben, aus dem Krankenhaus wiederkam. Sehr spät am Heiligabendnachmittag, sodass unsere schöne Zeitplanung (Weihnachten hat meine Familie sowas) total im Eimer war. 

An einem anderen Weihnachten hatte meine Oma dann so schlimmes Nasenbluten, dass meine Mutter und meine Schwester sie wieder ins Krankenhaus bringen mussten. Ich durfte nicht mit, weil ich etwa 40 Grad Fieber hatte und dort wahrscheinlich ganze Rentnerpopulationen ausgelöscht hätte. Also blieb ich stundenlang allein zuhause und begann in meinem Fieberrausch schonmal die Nachspeise vorzubereiten (der Zeitplan...). Es sollte Schokoladenflammeri werden, in das 30 Gramm brauner Zucker gemusst hätten. Ich weiß nur noch, wie ich die Messleiste für Zucker an unserem Messbecher studierte und dachte: Toll, da steht ja 300 Gramm. Die Zuckerpackung war dann auch leer... Meine Erinnerungen setzen gegen Mitternacht wieder ein, als wir mit dem Essen fertig waren, ich die Nachspeise serviert habe, alle ihre Löffel in den Puddingschälchen versenkt haben und es dann hieß: "das ist aber süß..." Tja.

Letztes Jahr an Weihnachten hat es dann so doll geschneit, dass meine Mutter, die Landschaftsgärtnerin ist und im Winter damit ihr Geld verdient, an Heiligabend unerwartet acht Stunden lang für irgendwelche garstigen Rentner Schnee räumen musste. Sie war erst am späten Nachmittag zuhause - ganz schlecht für den Zeitplan. Meine Schwester trieb sich ebenfalls irgendwo anders herum, während meine Oma überpünktlich um 12 Uhr vor der Tür stand und bespaßt werden musste - was nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätte ich nicht nach so einem Jahrgangstreffen am Vorabend, einer Badewanne voller Tequila und einer durchkotzten Nacht den Kater meines Lebens gehabt. Als Profi habe ich mir natürlich nichts anmerken lassen und bin alle halbe Stunde nach oben  "etwas holen" gegangen, um mich da für ein paar Minuten flach auf den Boden zu legen und zu hoffen, dass davon der Kater weggeht. Ein paar Stunden nach dem recht späten Weihnachtsessen habe ich dann auch alles wieder rückwärts gegessen. Tequilakater machen eben auch vor Weihnachten nicht halt...
Und dieses Jahr? Es hätte alles glattgehen können. Kein Schnee, eine eins A Zeitplanung mit Geschenke kaufen gehen schon am 23. Spätnachmittags... Ich war selten so zuversichtlich vor Heiligabend - bis ich auf dem Weg zu besagten Weihnachtsspäteinkäufen mit meiner Mutter mit unserem 23 Jahre alten T2 liegen blieb. Gegen 17 Uhr, im schlimmsten Feierabendverkehr, auf der schlimmsten Kreuzung überhaupt in der nächstgrößeren Stadt, und weder eine ADAC-Nummer parat noch Geld auf dem Handy, um überhaupt dort anzurufen. Ein Traum...

Das schöne Auto ist wahrscheinlich unheilbar kaputt, aber wir hatten trotzdem unterm Strich ein ganz gutes Weihnachtsfest. Ich bin übrigens weder gläubig noch esotherisch, aber nach all den Jahren angewandter Chaostheorie an Weihnachten glaube ich, dass die ganzen großen Katastrophen dafür sorgen, dass sich bei uns niemand gezielt an Heiligabend wegen irgendwelcher Kleinigkeiten streitet oder meckert, dass er kein iPhone oder sowas bekommen hat. Meistens sind wir froh, wenn wir Heiligabend gegen 20 Uhr alle noch leben und keiner ernsthafte körperliche, nervliche oder materielle Schäden davongetragen hat. Da ist einfach kein Platz für Mainstream-Weihnachtsprobleme...

Samstag, 29. Oktober 2011

gruselige Halloween-Playlist

Wer wie ich eine Freundin oder ein Freund des gepflegten Gruseltrashs ist, wird mit Sicherheit dieses Wochenende Halloween feiern. Und zwar sowasvon! Im Gegensatz zu Valentinstag und McDonalds ist das mal eine ziemlich lustige Sache, die aus den USA hier rüberimperialisiert wurde. Deswegen habe ich gestern auch mehrere hundert Meter Mullbinden gekauft und werde mich heute mal als Mumie verkleiden und nachher alle Partygäste erschrecken. (diabolisches Lachen einblenden). Und das hier ist meine Playlist für den Abend :).

Zum Aufwärmen erstmal was von den Misfits, nech! Das Video ist auch sowasvon cool...

Super zum Tanzen im Vampirkostüm: Die wunderbaren Sisters of Mercy.

Marilyn Manson finde ich kacke und daher kommt er nicht auf die Playlist, dafür aber eine Band mit einem Frontmann, durchaus sein Vater sein könnte: Alien Sex Fiend! I walk the liiiiiiiiiine ... hihi

Wir bleiben düster und hören Swans, während wir böse in der Ecke stehen und hin und wieder mal einen Ausfallschritt wagen mit Swans und Celebrity Lifestyle.

Naja, und was wäre eine coole Halloweenparty ohne Black&Rolligen Black Metal? I proudly present Satyricon!

Und es geht weiter mit der meiner Meinung nach coolsten Band, die in den letzten Jahren aus Norwegens Fjorden aufgetaucht ist. Kvelertak!

Daran muss ich dann auch gleich mal Celtic Frost anschließen. Ich hab diese Band schon zweimal live gesehen, einmal davon schön Hamburch Markthalle ärste Reihäää... der Gitarrist war so gruselig, dass ich ein bisschen Alpträume von ihm hatte. Aber ich war sonst ja eher nicht auf Black Metal-Konzerten und sowas daher nicht gewöhnt :).

Ach, ich weiß, wir hatten schon einen Misfits-Song, aber wir spielen jetzt NOCH EINEN! :) Ist schließlich Halloween.

Und weil ich jetzt gleich mal in die Maske muss, beenden wir diese Playlist mit einem schönen Song von The Cure. "Spiderman took me for dinner tonight." Hoffentlich nicht!

Viel Spaß heute nacht! :)

Montag, 10. Oktober 2011

Herbst!

Lange keine Photos mehr gepostet! Gut, dass uns der Herbst letzte und vorletzte Woche noch ein paar schöne ausflugskompatible Tage gesponsert hat.

Der Nord-Ostsee-Kanal, nachmittags um 16 Uhr.
Ein rostiges Waldstück.


Heidschnucken... aber ohne Heidekraut.


Zwei Heidschnucken, eine mit Bewegungsunschärfe.
Ich beim Kindheitstrauma überwinden.
Schüchterne Wisente.
Wichtigste Zutat für Apfelkuchen!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Radio Mixtape vol.I

Konichiwa!
Damit es hier auf gar keinen Fall langweilig wird und weil ich gerne anderen Menschen meinen unheimlich erlesenen Musikgeschmack aufdränge, wird es hier in Zukunft hin und wieder mal Playlists oder Mixtapes oder so etwas in der Art in Form von liebevoll zusammengestellten Youtube-Links geben. Kann man das schon als Radiosendung in Blogform bezeichnen? Ich finde schon :).

Hier wären wir dann auch schon bei meiner ersten "Sendung"...

Heute habe ich, während ich mit meinem Fahrrad und PJ Harvey im Ohr durch Nieselregen und herumwirbelnde goldene Blätter gedüst bin, zwei Sachen festgestellt:
1. Der Sommer ist vorbei, aber...
2. ...meine Lieblingsmusik passt eh viel besser zu Herbst und Winter.
Wirklich, PJ Harvey, Nick Cave, Joy Division und andere Verfechter der klug eingesetzten melancholischen Momente passen doch viel besser zu Radfahren im Regen, Tee trinken und schon um 18 Uhr die Abenddämmerung beobachten und zu Bürgersteigen voll mit goldenem Herbstlaub als zu diesem ganzen sommerlichen Oberflächlichkeiten. Endlich kann man sich wieder hinsetzen, die Schönheit absterbender Blätter beobachten und sich dem universalen Weltschmerz hingeben, ohne wegen einem eventuell zu hohen Vitamin D-Spiegel total auszuflippen ;). Hier sind ganz exklusiv für euch ein paar meiner "Herbsthits".

Weil wir sie schon erwähnt haben, fangen wir an mit "The Letter" von PJ Harvey vom Album Uh Huh Her (2004). Ich hab leider keine Studioversion auftreiben können, aber dafür hat der Gitarrist da eine echt heiße Kiste dabei :).



Keine Überraschung also, wenn jetzt im Anschluss was von Nick Cave kommt... den habe ich ja auch bereits erwähnt. Außerdem hatte er mal was mit Polly Jean. Statt deren Duett "Henry Lee" empfehle ich jetzt sein tanzbarstes Stück mit dem größten Ohrwurmpotenzial - Deanna. Von Nick Cave mit Schnurrbart. Reizend.

 
(wäre nett, wenn das Bild ein bisschen größer wäre!)
Nun etwas moderneres, nämlich The xx aus London, aber immer noch mit einem Cover des 1988er Hits "Teardrops" von Womack&Womack. Ich muss hier vermutlich niemandem mehr erzählen, wie gut The xx sind, weil laut Facebook 80% meiner Freunde auf jeden Fall diese großartige Band als Übereinstimmung mit mir haben. Begründet, denke ich.



Wir verlassen die Achtziger jetzt endgültig, bleiben aber den Synthesizern noch ein bisschen treu - und zwar mit den Raveonettes. Herrlich verträumte Musik aus Dänemark. Passt gut zu The xx und zu diesen speziellen "verkaterten, bei Musik verträumten Tagen" (Zitat Katz&Gold).



Zum Wachwerden gibt es jetzt meinen Never ending Ohrwurm, den einige Menschen in meinem näheren musikalischen Umfeld unheimlich abgefeiert haben und von dem ich nun auch nicht mehr loskomme. Daher werde ich euch jetzt mit "Evil" von Interpol infizieren. Böse!



Weil ich Tocotronic so furchtbar verehre, muss ich sie natürlich auch irgendwo unterbringen.



Genauso verhält es sich mit Joy Division. Aber das ist sicher kein Problem, schließlich lieben alle Menschen diese Band. Und sicherlich auch dieses Video:



Zum Schluss gibt es noch ein paar tanzbarere Nummern. Man kann ja auch leicht melancholisiert tanzen, und zwar zu sämtlichen Songs von Gang Of Four, vor allem aber zu diesem hier:



Genauso zu Cold War Kids, einer der vielversprechendsten Indiebands der letzten Jahre, finde ich. Und das Video ist auch cool!



Das ist nun mein letztes Lied. Dazu kann man auf jeden Fall tanzen, aber mitsingen ist schwierig, weil der Sänger von Let's Wrestle zu sehr großen Oktavsprüngen neigt. Aber hört selbst (und achtet auf die Luftballonmenschen im Video!)


Dienstag, 4. Oktober 2011

Das sexistische Musikgeschäft und die sexistischen Musikgeschäfte

... immer wieder ein Grund zur Aufregung! Heute stand ich vor der Entscheidung, ob ich für den Kauf eines neuen Satzes Basssaiten zum kleinen Musikladen an der Ecke oder doch lieber zu InSound, einem eher großen Musikgeschäft (ansatzweise wie JustMusic in Hamburg oder Musicstore in Köln... aber halt in Kieler Provinzverhältnissen) gehen sollte, weil in letzterem so ein Satz Saiten eventuell doch günstiger sein könnte. Ich war so vorausschauend und habe mal die Website von InSound auf Preise untersucht. Gefunden habe ich das hier: 
"Bei uns findet jeder sein Plek!"
Und darunter dann ein Bild von einem Plek mit einem leicht bekleideten Pin-up in eindeutiger Pose. Das es solche Plektren gibt, ist an sich nicht das Problem, ich kaufe sie einfach nicht (und außerdem brauche ich als Bassistin eh keine Pleks ;) ). Aber dieses "guck mal, cooler männlicher Musikertyp, wir haben auch Plektren mit heißen Frauen drauf, jetzt musst du bei uns einkaufen!"... Das ist so 1955!
Schlimm genug das, denkt man. Aber dann geht es weiter mit:
"Und auch in Sachen Equipment zeigen wir Eier!"
Darunter befindet sich ein Bild mit diesen kleinen Percussionrasseleiern, die ich eigentlich ziemlich gerne mag - schade, dass die hier für solch platten Musikeralltagssexismus zweckentfremdet werden. Und das sie und die arme Frau auf dem Plek dabei helfen müssen, die unheimlich altmodischen Geschlechterrollenbilder im Musikgeschäft zu zementieren - Musiker sind coole talentierte Typen, die unglaublich dicke Eier haben und daher megadoll abrocken und alle Frauen bekommen die sie wollen, weil sie nicht nur Gitarristen, Sänger, Bassisten oder sowas, sondern vor allem MÄNNER sind. Und deswegen ist in den meisten Musikgeschäften wohl alles auf diesen Stereotyp zugeschnitten. Tja, und da ich als weibliche Musikerin mich diesen Klischees nicht so gerne zuschreiben möchte (obwohl ich genau das gleiche kann wie meine zu 99,9% männlichen Kollegen), werde ich heute und auch sonst niemals meine Saiten bei InSound kaufen, sondern beim Musikladen um die Ecke, bei dem ich solche Anzeichen (noch) nicht entdeckt habe.

Donnerstag, 22. September 2011

Forever young, I want to be forever young...


"Hast du schonmal darüber nachgedacht, nach Hamburg zu ziehen, wenn du da sowieso arbeitest?"
"Ja schon, aber wenn man hier in Kiel erstmal einen gewissen Lebensstandard erreicht hat..."
Das war so ein Dialogfetzen, der mich vor einiger Zeit zusammenzucken lassen hat, obwohl das Gespräch mich selbst überhaupt nicht betraf. Ich saß damals in einem großen, gut ausgestatteten, aber nicht zu protzigen Auto und war dank Mitfahrzentrale Passagierin auf einer Fahrt von Kiel nach Hamburg. Etwas verträumt und müde saß ich am Fenster und beobachtete die Autos auf der gegenüberliegenden Fahrbahn, als im Gespräch der zwei Endzwanziger auf den Vordersitzen plötzlich das Wort "Lebensstandard" fiel. Ich schreckte aus meinen Tagträumen hoch. Das Wort "Lebensstandard" hatte zuletzt ein Bankkaufmann mir gegenüber verwendet, als er versucht hatte, mir eine Riesterrente und diverse Sparverträge aufzudrängen, und mir gleichzeitig von meinem Studium abraten wollte, weil man da ja nichts verdient, jedenfalls nicht, wenn man mit 35 Jahren ein Auto, ein Haus und eine Familie haben wollte (das hatte ich ihm gegenüber übrigens nicht einmal angedeutet).
Leichtes Unbehagen meinerseits also, als der Fahrer und die Beifahrerin munter weiter über ihren Lebensstandard plauderten. Ich wusste nicht so recht, woher dieses Gefühl kam, aber es war das gleiche Gefühl wie jenes, das man bei Begegnungen mit ehemaligen Klassenkameraden hat, die 22-23 Jahre alt sind und mit einer fertigen, soliden Ausbildung und einem sinnvollen Studium (also nicht Germanistik) und einer eigenen Doppelhaushälfte oder wenigstens einer Einliegerwohnung bei ihren Eltern, in der sie ja total selbständig sind, gerade den Run auf die Lebensstandard-Überholspur vorbereiteten. So wie jedes mal nach einer solchen Begegnung, kreisten auch nun altbekannte Fragen durch mein Oberstübchen. Werde ich auch irgendwann mal so einen "Lebensstandard" haben? Wenn ja, wie lange dauert das? Kann man auch noch Spaß haben und total crazy Sachen machen, wenn man so ein standardisiertes Leben hat? Konzerte und so, was ist damit? Muss man sowas irgendwann haben, weil man sonst nicht auf Klassentreffen darf? Sind die betroffenen Personen glücklich damit? Wie alt darf man höchstens sein, wenn man in diesem Club Mitglied sein will, und will ich das überhaupt?
Sich Gedanken um die Zukunft zu machen, ist nicht so mein Ding. Das merkt man vielleicht auch an meiner Studienwahl... Den Preis dafür zahle ich, wenn ich mit Menschen konfrontiert werde, die sich mit Anfang 20 (oder wie bei den Leuten aus dem Auto in einem etwas angemesseneren Alter) schon total abgesichert haben. Man plaudert dann so ein bisschen und dann muss ich Dinge ertragen wie "Ja, ich hab jetzt ausgelernt bei der Versicherung, bin auch übernommen worden und mit Schatzi grade in eine tolle Doppelhaushälfte gezogen... und was willst du mit deinem Studium jetzt machen? ...Oh wie cool, das du noch in einer Band spielst... und deine neuen Dreads sind ja so cool, in meiner Bank könnte ich das ja nicht haben... aber du warst ja schon immer so crazy!" Verständlich, dass man sich dann schon ein bisschen aussätzig fühlt, wenn einem zehn Leute an einem Abend ungefähr genau das gleiche Erzählen, oder? Wenn man ohnehin schon von schlimmen Existenzängsten geplagt wird, weil man von allen Seiten die Chancenlosigkeit seines eigenen, schlampig aber originell hingeklatschten Lebensentwurfes aufgezeigt bekommt, dazu noch mit Einzelschicksalen konfrontiert wird, die sich schon in meinem Alter keine Sorgen mehr um ihre Zukunft machen müssen, und dazu der BaföG-Folgeantrag immer noch nicht durch ist, kann man schon ziemlich depressiv werden.
Aber ganz ehrlich: So ein Leben in der Rundum-Sorglos-Sackgasse, die andere vielleicht als "erstrebenswerten Lebensstandard" bezeichnen würden, ist doch auch deprimierend langweilig. Da mach ich doch lieber etwas, was ich mag und was ich kann, habe genug Zeit für zwei Bands, unzählige Parties und ähnliche coole Hobbies, kaufe Aldi-Süßigkeiten statt Designer-Food, fahre ein schrottiges Fahrrad statt einem blöden BMW und damit auch an die Ostsee und nicht ins Büro, zahle zwei statt zwanzig Euro für eine Flasche Wein, mache unbezahlte Praktika, bis ich umfalle, um das berufliche Gewissen zu beruhigen und lebe von der Hand in den Mund, und zwar auf Kosten des Staates, bis ich so in zehn Jahren vielleicht mal ausversehen schwanger und dadurch zur Vernunft gezwungen werde. An euch ganzen Spießer da draußen: Ja, ich bin immer noch "so crazy". Aber ich lebe gerne so!

Montag, 12. September 2011

Das Grübelkabinett ist nicht tot, es wartet nur auf Input!

Liebe Leser!
Ich war ja in Schweden und so unheimlich ambitioniert, alle meine Erlebnisse und Eindrücke zu bloggen, weil man das jawohl so macht, wenn man eben einen so nen Blog unterhält. Hm. War wohl nix! Meine Schwedenreise zu verbloggen wäre aber gar nicht möglich gewesen, weil ich einfach so viel mit Essen, Schwedisch lernen, Leute kennenlernen, mit kennengelernten Leuten Party machen, Essen, Ausflügen, Essen, Eindrücke verarbeiten und... achja, Essen, verbracht habe. Schade drum! Ich bitte, dieses Versäumnis zu entschuldigen. Ich kann als Entschädigung eine kleine Liste machen mit Dingen, die ich in Schweden gelernt habe:

1. SchwedInnen essen den ganzen Tag, und wer dort als Gast nicht 1 Kilo pro Stunde zunehmen möchte, muss eigentlich genauso viel Sport machen wie die Schweden, wenn er auch original so oft und viel essen will wie die BewohnerInnen dieses schönen Landes.

2. Niemals mit SchwedInnen telefonieren und dabei versuchen, schwedisch zu reden, wenn man es erst seit 2 Jahren lernt. Man kann noch so gut selber sprechen, aber man wird am Telefon nichts verstehen. Ehrlich... macht euch da keine Hoffnungen.

3. Die schwedische Bevölkerung ist netter und gesprächiger, als sie von sich selbst denkt. Ich habe mich mit einer älteren Schwedin unterhalten, die mich gefragt hat, ob ich ihre Landsleute auch so unterkühlt und unfreundlich finde. Das kann ich allerdings in keinster Weise bestätigen... Aber ein nicht zu verachtender Prozentsatz der Originalschweden, mit denen ich kommuniziert habe, war auch betrunken. Ich frage mich, wie die sich das leisten können, denn...

4. ... Schwedischer Alkohol ist in der Tat sehr sehr teuer. Das Bier geht zumindest im Systembolaget (Supermärkte nur für Alkohol... crazy Sache) fast noch, da kann man welches ab 11 Kronen bekommen... Das wäre ein Bier in einer günstigen Kneipe in Deutschland. Aber sich mit einem billigen Wein ins Aus katapultieren, das funktioniert in Schweden nicht. Rotwein gibt es ab 49 Kronen, und der ist wirklich wi - der - lich. Ich hab gehört, ab 100 Kronen, also 10-12 Euro, wird er langsam erträglich. Und ich denke, von Schnaps brauchen wir gar nicht erst anfangen...

5. In Georgien gibt es Menschen, die meinen Musikgeschmack zu fast 100 Prozent teilen, aber es gibt dort keine Festivals. Zum Glück können die in die Türkei zu Festivals fahren... :)

6. Slowenien und die Slowakei haben nichts miteinander zu tun und liegen auch nicht nebeneinander. (Aber sie grenzen beide an Österreich!)

7. In Polen ist man um einiges religiöser als hierzulande. Gut... das habe ich mir bereits gedacht, aber es erst zu spüren gekommen, als eine Polin meinte, sie kommt in die Hölle, wenn sie Kondome benutzt, was ich für einen Witz gehalten und das kommentiert habe mit so etwas wie "Haha, ach du kommst doch eh in die Hölle... und ich auch, aber was solls? Im Himmel kennt man ja eh keinen." Das war ein selten tiefes Fettnäpfchen...

8. Irgendwie mache ich immer Witze über Religiosität, wenns grade ganz schlecht ist...

9. ...aber die Leute gewöhnen sich nach drei Wochen zum Glück an meine Ausfälligkeiten.

10. Die Göteborgarna sagen, Göteborg wäre "Sveriges framsida" (Schwedens Vorderseite), aber ich persönlich fand Stockholm eine Idee schöner :).

11. Schwedische Seen sind kalt! Aber das wusste ich schon. Neu war mir hingegen, das SchwedInnen zu jeder Tageszeit und Wetterlage in kalten Seen, in denen es drei Meter lange Welse gibt, schwimmen wollen und können. Ich habe mich mal versucht, an die Kultur anzupassen und bin auch bei jeder Tageszeit und Wetterlage mal schwimmen gewesen, zumindest stichprobenartig (spät abends an einem heißen Tag, am späten Nachmittag an einem nicht so heißen Tag und früh morgens an einem kalten, regnerischen Tag). Und was soll ich sagen? Es hat überhaupt keinen Unterschied gemacht, das Wasser war immer bitterbitterkalt... ob die das auch im Winter machen?

12. Scheinbar spreche ich Schwedisch mit einem dänischen Akzent. Haben mehrere Schweden unabhängig voneinander gesagt! Keine Ahnung, wann ich das gelernt habe, aber so werde ich wenigstens nicht sofort als Deutsche enttarnt.

Naja, das war natürlich nicht alles, aber ich muss auf die nächsten Flashbacks warten, dann gibt es vielleicht noch die eine oder andere Anekdote. To be continued!